Der Spitzensport Projektmanagement muss durch den Breitensport auf allen Ebenen ergänzt werden

Der Erfolg eines Unternehmens steht und fällt (auch) mit der Qualität des Projektmanagements. Talanx geht deshalb auf Nummer sicher und hat Projektkarrieren fest in der Personalentwicklung verankert. Worauf es dem Versicherungsunternehmen dabei ankommt und welche zentrale Rolle Projektmanagement-Kompetenzen für eine Karriere im Unternehmen spielen, erklärt Stefan Kraft, Leiter Personalentwicklung, im Interview. Auf den letzten PM-Tagen konnte man ihn bereits live erleben.

Tiba: Wie sind Projektkarrieren in der Personalentwicklung bei Talanx verankert?

Stefan Kraft: 2008 haben wir begonnen, die Projektkarriere als Karriere neben Fach- und Führungskarriere in der Personalentwicklung zu verankern. Anfangs stärker im Umfeld großer IT-Projekte, inzwischen auch etwas breiter. Wir bewerten Projektleitungsfunktionen analog zu Führungs- oder Fachfunktionen. Dies geschieht in bestimmten Bereichen durch eine tarifliche Eingruppierung oder AT-Einstufung, im leitenden Bereich nach der HAY-Bewertungslogik. Damit stellen wir sicher, dass alle drei Karrieren gleichwertig sind.

Tiba: Verschiedene Positionen erhalten eine Ausbildung im Projektmanagement. Wer genau wird qualifiziert?

Kraft: Grundsätzlich natürlich alle, die ein Projekt leiten. Dort, wo wir Projektleiter-Pools haben, ist dies eine Qualifizierung, die mit dem GPM-Zertifikat GPM-Level D oder C abschließt. Daneben gibt es natürlich auch andere Mitarbeiter und Führungskräfte, die projektorientiert arbeiten und deshalb verschiedene Basisqualifizierungen brauchen; dort gegebenenfalls auch ohne Zertifikat, sodass die Kompetenz breiter erworben werden kann. Seit einigen Jahren versuchen wir auch ganz systematisch bei Führungskräften und Top-Managern zumindest Basisfähigkeiten in der Auftraggeberrolle oder in der Projektsteuerungsrolle zu verankern.

Tiba: Weshalb ist es Ihnen so wichtig, dass auch Führungskräfte außerhalb des klassischen Projektmanagements Projektmanagement-Skills besitzen beziehungsweise erwerben?

Kraft: Spezialisten können ihre Projekte ganz gut managen und steuern. Deren Expertensprache wird von Führungskräften und vom Top-Management jedoch nicht immer verstanden. Dadurch riskiert man einen hohen Qualitätsverlust. Allein deshalb ist es mir ein Anliegen, die Kompetenzen auch im Mittel- und Top-Management weiter auszubauen, damit in der Organisation eine gemeinsame Basis entsteht, um wichtige Entscheidungen auf Basis offener und ehrlicher Berichterstattung zu treffen. Letztendlich geht es ja auch um die Frage: Wo gehen Finanzressourcen hin, wo gehen Mitarbeiterressourcen hin?

Tiba: Mangel an Projektkompetenz stellt bei Talanx also ein Karrierehindernis dar? Von Top-Führungskräften erwarten Sie entsprechende Kenntnisse?

Kraft: Ja, definitiv. Studien zeigen ja, dass Führungskräfte immer häufiger in Projekten engagiert sind; eine Führungsleistung wird also auch daran gemessen, wie gut man in Projekten mitarbeitet oder auch Projekte steuert. Auch ich selbst bin neben meiner Führungsrolle in der Personalentwicklung viel als Projektmitarbeiter in strategischen Projekten tätig. Diese Verzahnung gilt selbstverständlich für viele Führungskräfte.

Man kann es so sagen: Der Spitzensport Projektmanagement muss durch den Breitensport auf allen Ebenen ergänzt werden.

Tiba: Wie sieht die Ausbildung der klassischen Projektmanager aus?

Kraft: Zunächst geht es darum, den Mitarbeitern eine Basisqualifizierung zu vermitteln. Natürlich müssen sie gleichzeitig auch Erfahrungen im Doing sammeln, denn nichts ist wertvoller als Learning-on-the-Job. Uns ist eine Mischung aus Training, kollegialer Einarbeitung, Erfahrung-on-the-Job und Anleitung beziehungsweise Coaching durch erfahrenere Projektmitarbeiter und Projektleiter wichtig. Geht es in Richtung Spezialistentum, streben wir auch die klassische Projektleiter-Zertifizierung D oder C an, ähnlich wie wir bei Führungskräften die Rolle der Führungskraft stärker als Auftraggeber oder in der Portfolio-Steuerung verankern. Insofern haben wir für das Top-Management eine Projektmanagement-Qualifizierungsmaßnahme im Rahmen unserer Corporate Academy durchgeführt, wo die Top 300 in Grundlagen strategischen Projektmanagements weltweit fit gemacht worden sind.

Tiba: Wie wichtig sind Ihnen die Soft-Skill-Kompetenzen eines Projektmanagers?

Kraft: Die sind letztendlich das I-Tüpfelchen, weil das Fachlich-Methodische leicht gelernt werden kann. Wir trainieren Mitarbeiter in Kommunikation, Konfliktmanagement und Persönlichkeitsentwicklung, sowohl in der Basis-Projektqualifizierung als auch im freien Programm oder bei externen Anbietern. Letztendlich ist die Gesamtkompetenz eine Kombination aus Fachlichkeit, Erfahrung und Persönlichkeit.

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