„Je besser die Stimmung im Team, desto besser gelingen Projekte“

Man kann nicht nicht kommunizieren. Aber hat gleich jede Geste, jede Bewegung automatisch eine Bedeutung? Gerade für Projektmanager, die in Teams mit vielen, manchmal fremden Personen zusammenarbeiten, ist das wichtig zu wissen. Der Körpersprache-Experte Thorsten Havener, Referent bei den PM-Tagen am 2. und 3. März 2016 in München, erklärt im Interview, worauf man wirklich achten und weshalb man manchmal besser auf sein Bauchgefühl hören sollte. Seine Key Note bei den PM-Tagen lautet „Projektmanagement … ohne Worte! Kommunikation und Körpersprache in jeder Projektsituation“.

Arme nicht verschränken, aufrecht stehen und sitzen – Es gibt einige Körpersprache-Regeln, von denen man zumindest schon gehört hat. Manch einer fragt sich: Wird da nicht zu viel hineininterpretiert?

Thorsten Havener: Das ist eine gute Frage. Ja, es wird zu viel reininterpretiert, denn nicht jede Geste hat eine Entsprechung, es kommt immer auf den Kontext an. Mit wem spreche ich, worüber spreche ich? Mit meinen Kindern nutze ich eine andere Körpersprache als mit einem Vorgesetzten. Zum Beispiel die verschränkten Arme: Manchmal sind sie einfach nur bequem. Überhaupt sollte man beachten, dass Körpersprache nur dann nicht komisch rüberkommt, wenn wir nicht darüber nachdenken.

In Projekten kommen Mitarbeiter zusammen, die sich nicht oder kaum kennen. Worauf sollte man bei der ersten Begegnung achten? Sowohl bei sich als auch bei anderen?

Havener: Es gilt immer der Grundsatz: Je besser die Stimmung im Team, desto besser können Projekte gelingen.

Grundsätzlich würde ich checken, wie sich die Anderen bewegen. Lesen Sie ihre Körpersprache, ohne zu sehr zu interpretieren. Manchmal haben Menschen Eigenarten, die nichts zu bedeuten haben. Will ich jedoch körpersprachlich auf eine Wellenlänge kommen, sollte ich spiegeln. Aber Vorsicht: Nicht nachäffen, das ist albern. Es geht vielmehr darum zu schauen, in welcher Geschwindigkeit sich beispielsweise das Gegenüber bewegt oder welche Gesten er verwendet. Diese übernehme ich dann und sorge so für eine gute Stimmung auf einer ganz unbewussten Ebene. So einfach sich das anhört, es ist extrem wirksam und kann die Stimmung deutlich verbessern.

Wie steht es mit internationalen Teams? Ist Körpersprache – abgesehen von bestimmten Eigenheiten einzelner Kulturen – universell? Oder sollte man sich als Projektmanager eines multikulturellen Teams speziell vorbereiten?

Havener: Ich würde mich speziell vorbereiten, wenn es um Gesten und Rituale geht. Gesten sind erlernt, deshalb gibt es kulturelle Unterschiede. Auch die Rituale bestimmter Länder würde ich vorbereiten. In Japan ist es beispielsweise üblich, Visitenkarten mit beiden Händen zu übergeben.

Ansonsten ist unsere Körpersprache jedoch tatsächlich universell, und das ist ja das Schöne, dass sie uns verbindet. Wenn wir fröhlich sind, lachen wir, das sieht bei allen Menschen gleich aus.

Ich frage mich: Wenn jeder in Sachen Körpersprache geschult ist, wie soll es dann noch möglich sein, Schlüsse aus Gestik und Mimik zu ziehen?

Havener: Ich halte nichts von diesen Megaschulungen, denn Körpersprache ist etwas ganz Natürliches, um andere Menschen verstehen zu können. Wichtiger ist es, sich ein Bewusstsein zu schaffen, dass wir die Fähigkeit, andere zu lesen, eigentlich bereits besitzen.

Heute kommunizieren wir über Facebook, Twitter etc. und gehen zu selten den Schritt zurück und machen uns bewusst, dass da ein Mensch gegenübersitzt mit denselben Problemen und Bedürfnissen. Dieses Bewusstsein, den anderen wahrzunehmen und vor allem wertfrei zu nehmen, ist wichtig. Im Projekt sollte man deshalb sein Gegenüber nicht als Vorgesetzten oder Untergebenen sehen, sondern als Mensch, den man wertfrei betrachtet. Unsere Erfahrung mit anderen Menschen ist meist viel größer als wir denken.

Letztlich geht es also darum, auf sein Bauchgefühl zu hören.

Havener: Mal so, mal so. Natürlich spielt Intuition, das Bauchgefühl, eine Rolle. Das Bauchgefühl ist Teil des Bewusstseins, es macht Vorschläge. Chef bleibt aber immer das Bewusstsein. Nehmen Sie also Ihr Bauchgefühl wahr und schalten sie außerdem Ihren Verstand ein, dann entscheiden Sie, ob sie auf Ihr Bauchgefühl oder auf Ihren Verstand hören.

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